Stadt, Land, Krank

In den Städten tummeln sich die Ärzte, in ländlichen Kommunen gibt es stellenweise noch nicht einmal einen Hausarzt. Ein Blick in die offiziellen Statistiken offenbart ein spürbares Stadt-Land-Gefälle.

Von David Hilzendegen

Fast 13.000 Haus- und Facharztpraxen sind bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg gelistet. Schon der erste Blick lässt ein Gefälle zwischen Stadt und Land vermuten.

Tatsächlich befindet sich jede vierte Praxis in einer der sieben größten Städte – obwohl dort nur jeder sechste Baden-Württemberger lebt.

Deutlicher wird das Gefälle beim Blick auf die Region Heilbronn-Hohenlohe.

In Heilbronn haben sich Ärzte in ingesamt 170 Praxen niedergelassen.

Im Hohenlohischen Zweiflingen hingegen praktiziert kein einziger Arzt. Kranke müssen grundsätzlich ins benachbarte Öhringen fahren. Wir haben uns vor Ort umgesehen, wie das im Alltag funktioniert.

Natürlich ist es wenig überraschend, dass sich dort, wo mehr Menschen leben – also in größeren Städten und Ballungsgebieten – auch mehr Ärzte niederlassen.

Ein Blick auf den Anteil der Ärzte pro 1.000 Einwohner in den Gemeinden der Region ergibt allerdings ein ziemlich schiefes Bild: Vor allem Fachärzte arbeiten bevorzugt in größeren Gemeinden. In einigen kleineren Kommunen der Region gibt es noch nicht einmal mehr einen Hausarzt oder einen Zahnarzt.

Die folgende Grafik zeigt den Anteil der Ärzte pro 1.000 Einwohner für Baden-Württemberg insgesamt und für alle 63 Gemeinden der Landkreise Heilbronn und Hohenlohe sowie dem Stadtkreis Heilbronn. Suchen Sie sich Ihre Gemeinde und vergleichen Sie.

Ärzte pro 1.000 Einwohner

FA = Fachärzte, HA = Hausärzte, ZA = Zahnärzte

Besonders im Alter ist eine gute hausärztliche Versorgung wichtig. Unsere Analyse zeigt, dass diese nicht in jeder Gemeinde gegeben ist. Das Medianalter beschreibt das Alter, an dem sich die Bevölkerung in zwei gleichgroße Gruppen teilen lässt: Die eine Hälfte der Bevölkerung ist jünger, die andere älter als das Medianalter.

Die Gemeinde Flein ist mit 47 Jahren die Älteste in der Region – gemeinsam mit Massenbachhausen, Beilstein und Wüstenrot. Und doch unterscheiden sich die Orte hinsichtlich ihrer Ärztedichte massiv.

In Flein kümmern sich gerade einmal rund 0,3 Hausärzte um 1.000 Einwohner, Beilstein kommt immerhin auf 0,8. Ältere Menschen aus Flein sollten also mobil genug sein, um ins benachbarte Heilbronn pendeln zu können.

Die folgende Grafik zeigt die Ärztedichte in den 63 Gemeinden der Region in Bezug auf das Medianalter der Bevölkerung. Erkunden Sie die Unterschiede zwischen den Orten gerne selbst: Über das Dropdown-Menü können Sie sich einen Ort aussuchen und anzeigen lassen.

Die Daten dieser Analyse stammen allesamt aus öffentlich zugänglichen Quellen: Die Adressen der Praxen kommen aus der Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, Stand Dezember 2017.

Dort ist prinizipiell auch die Anzahl der Ärzte pro Kommune auslesbar. Allerdings gibt es keine Garantie, dass Ärzte, die in bestimmten Kommunen gemeldet sind, auch dort arbeiten. Insbesondere Fachärzte betreiben gemeinsam mit Kollegen auf dem Papier oftmals mehrere Praxen, sind aber nur in einer davon tätig. Verlässlichere Zahlen bietet der Versorgungsbericht der Kassenärztlichen Vereinigung

Die Bevölkerungsdaten, also die Einwohnerzahl sowie das Alter der Einwohner, stammen vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg. Stand der Daten ist der 31.12.2015. Neuere Zahlen sind derzeit nicht öffentlich verfügbar.

Der Quellcode und die Daten dieser Analyse sind auf Github frei verfügbar.

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